Wie konnte es dazu kommen?

Das später geänderte Cover des Albums "Virgin Killer"
Seitdem es Plattencover gibt, sind diese auch immer wieder Opfer der Zensur. Wir dürfen an dieser Stelle auf die Ausstellung von Dr. Roland Seim - unserem wiss. Projektleiter - hinweisen.
In der Öffentlichkeit entzündet sich momentan ein kleiner Flächenbrand, wie es sein kann, dass ein mehr als 30 Jahre altes Motiv auf einer Plattenhülle noch heute für Zündstoff sorgen kann. Wir berichteten bereits vor einigen Tagen über den Verdacht der Kinderpornografie in der Online-Enzyklopädie Wikipedia, unter den das Cover zum Album “Virgin Killer” der Band Scorpions gefallen ist.
Eigentlich spielte sich der Fall bei der englischen Wikipedia ab, doch nun wird auch die Bundsprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) in Deutschland aktiv, die aufgrund einer Beschwerde eines Bürgers ein Verbot des Covers prüft. Bisher wurde das Motiv weder indiziert, also für jugendgefährdend erachtet, noch als Kinderpornografie verboten. Im Gegenteil: vor über 20 Jahren wurde das Bild schon einmal von der BPjM begutachtet. Das Ergebnis: Das Titelmotiv sei nicht pornografisch. Mittlerweile haben sich die Zeiten geändert: einerseits sorgt das Internet für die Verbreitung von medialen Inhalten aller Art (selbst wenn sie so selten sind wie das betreffende Cover) andererseits hat sich die juristische Lage seit der letzten Beurteilung durch die Bundesprüfstelle geändert.
Als Mitte der 1990er Jahre u.a. durch die perfiden Taten des pädophilen Serienmörders Marc Dutroux die gesetzlichen Regelungen zur Darstellung unbekleidete Minderjähriger verschärft wurden, ging es insbesondere um die Eindämmung “geschlechtsbetonter” Darstellungen von Kindern u.a. in einschlägigen FKK-Zeitschriften, die als geistige Brandstifter für Übergriffe auf Minderjährige mitverantwortlich gemacht wurden. Die Magazine waren jedoch im Gegensatz zu der heute beanstandeten Plattenhülle am Kiosk frei erhältlich, das Scorpions-Cover aber bereits vor mehr als 10 Jahren nur noch bei Sammlern bekannt.
Erst das Internet ermöglichte dem Corpus Delicti ein Comeback ins mediale Rampenlicht und vor allem in die kritische Auseinandersetzung. Das seltene Cover war nunmehr einer breiten Öffentlichkeit zugänglich und es war eine Frage der Zeit, bis es auf die Tagesordnung zurückkehrte. Es verwundert auch nicht, dass wieder einmal Wikipedia für eine Debatte sorgte. Das freie Online-Lexikon wird immer wieder aufgrund seiner Inhalte weltweit attackiert.
Die nun geführten Debatten im Netz zeigen, dass sich die Gesellschaft aktiv mit der Kunst- & Pressefreiheit auseinandersetzt. So sorgt die Sache mit den Scorpions auch in dieser Hinsicht für eine lebhafte Diskussion, die benötigt wird, um die Meinungsfreiheit am Leben zu erhalten.
10. Dezember 2008 um 17:07 Uhr
Die Sache wird doch eh verboten. Warum sich darüber aufregen. Ich jedenalls habe was die Meinunsfreiheit in diesem Land angeht resigniert. Sie nur Stasi 2.0 und Mister Schäuble..
10. Dezember 2008 um 17:32 Uhr
Wenn Ich das richtig verstehe, ist das Internet an dieser Sache schuld?!