Keine Böhsen Onkelz für gute Soldaten

Umsichtige Redaktionspolitik beim Bundeswehrradio

Umsichtige Redaktionspolitik beim Bundeswehrradio

Es klingt nicht nur makaber, es ist auch so: Lieber eine Schere als einen Granatsplitter im Kopf. So zumindest könnte man auf es auf den Punkt bringen, wenn es um die Selbstzensur im Radio der Bundeswehr geht.

Wie das Musikblatt “Rolling Stone” meldet, gibt es Diskrepanzen zwischen den Wünschen und den tatsächlich gespielten Lieblingsmelodien der Soldaten bei Radio Andernach. “Rammstein wird nicht so oft im Programm gespielt, wie es eigentlich gewünscht wird. Das rollende ‘R’ stellt für uns als Truppenbetreuungssender ein Problem dar. Hier kann es zu einer verzerrten Darstellung und Wahrnehmung Deutschlands im Ausland kommen” so Hauptmann Wahl vom Bundeswehrsender in Mayen.

Immerhin können laut Truppe ca. 1 Mio. Afghanen die deutsche Sprache verstehen. Um nicht durch anzügliche Songtexte Gefühle und Erwartungen zu verletzen, werden Bands wie Rammstein, Böhse Onkelz und Bushido seltener gespielt, als es die Soldaten fordern.

Vielleicht ist die Schere im Kopf manchmal gar nicht so abwegig. Zumindest wenn es um vernünftige, umsichtige Redaktionsarbeit bei einem Sender geht, der in einem Krisengebiet seine Arbeit verfügbar macht. Unnötige Provokationen gegen die einheimische Bevölkerung durch missverständliche Texte wären kontraproduktiv.

Selbst Stimmungshits können davon betroffen sein. Makaber fügt Hauptmann Wahl hinzu: “Ein Soldat sitzt im Panzer in Afghanistan und hört Radio Andernach. Wenn er Pech hat, wird er in die Luft gesprengt und kommt nicht wieder. Dem kann ich ‘Da simmer dabei, das ist prima’ nicht zumuten.”

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