Es sollte genauer hingeschaut werden

Die Kaufhauskette "Kaufhof" überdenkt ihre Verkaufsstrategie bei Computerspielen.
Mehr als eine Woche nach dem blutigen Amoklauf in Winnenden ist nicht nur die Debatte über Schuld und Unschuld von Computerspielen im vollen Gange, es werden auch bereits die ersten Konsequenzen gezogen: “Kaufhof” hat sich dazu entschlossen, den Verkauf von Gewaltspielen stark einzuschränken oder ganz einzustellen. Es werden alle Spiele mit der Altersfreigabe “Ab 18″ aus dem Sortiment genommen, hieß es aus Essen, wo der Konzern seinen Hauptsitz unterhält.
Der bayerische Kultusminister Siegfried Schneider begrüßte diesen Schritt als “richtigen und konsequent”. Schneider meinte weiterhin: “Kaufhof setzt ein mutiges Signal gegen Gewalt in Computerspielen. Das Unternehmen übernimmt durch diese Selbstbeschränkung Verantwortung und leistet damit einen eigenverantwortlichen, starken Beitrag zu einem wirksamen Kinder- und Jugendschutz. Ich ermuntere die anderen Handelsketten, diesem Beispiel zu folgen und damit ein Signal der gemeinsamen Ächtung von Gewalt in Computerspielen zu setzen.” Die Verkaufseinschränkungen sind nach Ansicht Schneiders auch eine Chance für mehr Nachfrage bei qualitativ hochwertigeren Spielen.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann wollte in der Kabinettsitzung am 17.3. 2009 ein härteres Gesetz gegen so genannte “Killerspiele” vorstellen. Der Antrag konnte sich allerdings nicht durchsetzen. Dafür wird die Landesregierung aber eine Projektgruppe „Medienkompetenz” einsetzen.
Ob brutale Spiele irgendeinen Nutzen auf die Entwicklung von jungen Menschen haben, ist sicher sehr fragwürdig. Doch bevor man sich auf Einschränkungen und Verbote von Medien einläßt, sollte genauer hingeschaut werden. Auch außerhalb des Computers lauern diverse spielerische Militaria, mit denen Kinder bereits im Vorschulalter konfrontiert werden. Ob Spielzeugsoldaten oder Modellpanzer, Maschinengewehre aus Kunststoff oder Kriegsschiffe für die Badewanne, wenn man ernsthaft eine gewaltarme Gesellschaft aufbauen will, sollte der pazifistische bzw. auf reine Verteidigung orientierte Gedanke auch in viele andere Bereiche Einzug halten.
Das Verbot von Medien ist ein Vorgehen, das möglicherweise am Ende einer ganzen Reihe von Maßnahmen steht. Der Mut, Menschen wieder Werte wie Friedfertigkeit und Hilfsbereitschaft zu vermitteln und diese Tugenden in den Lebensmittelpunkt zu stellen, könnte weit mehr Wirkung zeigen, als reflexartige Verbotsmaßnahmen.
23. März 2009 um 20:40 Uhr
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