Spätzünder
Mittwoch, 8. Juli 2009
Vor 20 Jahren, im Sommer 1989, fiel der “Eiserne Vorhang”. Zunächst in Ungarn, später in ganz Osteuropa und der DDR. Zwei Jahrzehnte ist das jetzt her. Man könnte meinen, die Medien(un)freiheit im Arbeiter- und Bauernstaat sei mittlerweile aufgearbeitet, Überraschungen gäbe es keine mehr.
Doch noch immer kommen Stilblüten aus den Archiven realsozialistischer Kulturpolitik ans Tageslicht, versüßen uns die Zeit und gewähren uns einen Blick in die Absurditäten der Vergangenheit.
Jüngstes (und was den Spielfilmsektor betrifft wohl auch letztes) Beispiel ist die im Jahr 1966 abgedreht Gaunerkomödie “Hände hoch oder ich schiesse”. Mehr als 40 Jahre musste der Film warten, bis er das Licht der Öffentlichkeit erblickte. Nun ist der letzte in der DDR verbotene Spielfilm in den Kinos zu sehen.
Mit “Hände hoch oder ich schieße” präsentieren ausgewählte Lichtspielhäuser eine unterhaltsame und spannende Episode deutscher Kinogeschichte: Der Film wurde Opfer einer politischen Eiszeit in der DDR, die mit den Beschlüssen des 11. Plenums der SED 1965/66 begann.
Obwohl zahlreiche selbstzensorische Eingriffe vorgenommen wurden, verbot das Innenministerium der DDR den Streifen. Überaus sensibel reagierten die Fuktionäre auf die Krimikomödie, da sie in ihr eine Verunglimpfung der staatlichen Organe (Polizei etc.) sahen.
Ihr Schicksal teilt die DEFA-Produktion mit berühmten Filmen wie “Das Kaninchen bin ich” oder der wohl bekannteste Verbotsfilm der DDR “Spur der Steine” mit Manfred Krug in der Hauptrolle.







