Chinesische Internetmauern…
Donnerstag, 12. Februar 2009
Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen gibt sich kämferisch
Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen meint es gut. Ihre Initiative, Internetdienstleister zu verpflichten, vom BKA gelistete kinderpornografische Websites zu blockieren, wird dennoch kritisch beäugt. Warum?
Zunächst ist es sinnvoll, behördliche Maßnahmen, die den Bereich der Kommunikationsfreiheit tangieren, stets zu hinterfragen. Das gebietet die demokratische Sensibilität und Wachsamkeit. Doch Gegenwind kommt auch aus dem Bundestag.
Dessen Wissenschaftlicher Dienst kam in einer Studie zum Schluß, dass gemaßregelte Internetprovider in übereifrigen Aktionen oder aus Angst, Bußgelder zahlen zu müssen, nicht nur kriminelle Angebote pedophiler Websitebetreiber sperren, sondern auch “unbedenkliche” Seiten herausfiltern. Der Wissenschaftliche Dienst warnt dabei vor dem Mißbrauchspotential eines zentralisierten Filtersystems. Ohnehin könne man ohne großen Aufwand die Sperrung umgehen. Wolle man die Kinderpornoseiten komplett unzugänglich machen, müsse man das Internet in Deutschland nach chinesischem Vorbild umstrukturieren und dabei den zentralen Gedanken der Dezentralisierung des World Wide Web aufgeben, so das Gutachten.
In einer heute geführten Anhörung wies von der Leyen vor dem Unterausschuß Neue Medien des Bundestages das Gutachten und besorgte Kritik zurück. Mit den Worten “Wir rühren nicht an der Kommunikationsfreiheit” unterstrich von der Leyen ihre Absicht, Schwerstkriminalität bekämpfen zu wollen. Dabei hat es die Familienministerin eilig: Noch vor der Bundestageswahl möchte sie eine gesetzliche Regelung durchbringen, die das Ausfiltern zur Pflicht erklärt und nicht nur eine gute Absicht bleibt, zu der sich einige Internetprovider bereiterklärt haben.
Das Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages bezeichnete sie als “unterirdisch”. Insbesondere die Gefahr, Internetprovider könnten unbedenkliche Seiten aus dem Netz filtern, bezeichnete von der Leyen als “Nonsens”. Betreiber, unschuldig blockierte Seiten könnten sich im Bedarfsfall an die Polizei wenden, die für die Speerlisten verantwortlich ist.
Unterdessen hat das BKA Providern und Branchenverbänden einen Anforderungskatalog unterbreitet, der aber wohl noch einige Fragen offen läßt. Das Bundeskriminalamt sitze nun mit Technikern der Provider zusammen, um die Umsetzung weiter voranzutreiben.
Die Bundesministerin hat sich für Ihre Initiative zusätzlich internationale Unterstützung geholt. Europol-Chef Max-Peter Ratzel hat von der Leyens Initiative begrüßt und hob hervor: “Man muss sich die Opfer vor Augen halten, das sind die schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft.”
Schlußendlich seien die positiven Erfahrungen, die man in Skandinavien machte, ein weiterer beruhigender Aspekt. Ein Sprecher der norwegischen Polizei äußerte sich visionär: Es gab in seinem Land eine kurze Debatte, es würden chinesische Zustände in Erscheinung treten, die jedoch nach einer gewissen Zeit abstarb. Nicht zuletzt, da man das System nicht mißbrauchte.
Es bleibt zu vermuten: hierzulande könnte es ähnlich laufen.




