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Computerspiele nur nach 22 Uhr?

Dienstag, 2. März 2010
Gibt es Gewaltspiele bald nur noch an Tankstellen nach 22 Uhr?

Gibt es Gewaltspiele bald nur noch an Tankstellen nach 22 Uhr?

Folgen dem nächtlichen Alkoholverbot bald auch Games, die nur an Erwachsene und nach 22 Uhr verkauft werden dürfen?

Der Südwesten testet: Alkoholika sollen in einem Versuchszeitraum in Baden-Württemberg nur noch zwischen 5 Uhr morgens und 22 Uhr abends abgegeben werden. Nicht nur an Jugendliche ist der Verkauf damit untersagt, auch die Abgabe an Erwachsene unterliegt dieser Beschränkung.

Die Politik reagiert damit auf “die besorgniserregende Entwicklung des Alkoholkonsums von Kindern und Jugendlichen” die den “erschwerten Zugang zu alkoholischen Getränken erforderlich macht” so der amtierende Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg Stefan Mappus bereits vor 2 Jahren.

Nun könnte bald ein weiterer “Besorgnisfaktor” unserer Jugend auf den gesetzlichen Prüfstand geraten. Pünktlich zur Munich Gaming in München und zur CeBIT in Hannover sowie ein Jahr nach dem Amoklauf von Winnenden veröffentlicht das Center for study of violence der Iowa State University eine Studie mit dem Titel “Violent video game effects on aggression, empathy, and prosocial behavior in Eastern and Western countries” zur Wirkung von Gewalt in Computerspielen. Ein Team aus internationalen Wissenschaftlern ist laut Ergebnis der Studie nun erstmalig fast einstimig der Meinung, dass der Konsum von Gewaltspielen aggressives Verhalten steigert. Dass dies so ist, könne man nun endlich mit “höchster Zuversicht” sagen, so Craig Anderson, Direktor des Fachbereichs an der Universität Iowa.

Die Metastudie, die im Psychological Bulletin erschienen ist, hat mehr als 130 Einzelergebnisse aus Forschungsarbeiten zum Thema Gewalt und Spiele ausgewertet, an der insgesamt über 130.000 jugendliche Probanden teilnahmen. Die Kernaufgaben zur Feststellung von Verhaltensänderungen in der Untersuchung fokussieren sich auf folgende Unterkategorien: aggressives Verhalten, aggressive Kognition, aggressives Gefühl, prosoziales Verhalten, Empathiegefühl sowie Desensibilisierung und physiologische Erregungszustände.

Die Forschungsauswertung habe gezeigt, dass der Konsum von Gewaltspielen besonders über einen kontinuierlich langen Zeitraum von mehreren Jahren, die Aggressivität fördere und prozoziales Verhalten destabilisiere bzw. mindere, wobei der kulturelle Hintergrund noch das (junge) Lebensalter oder das Geschlecht der Konsumenten eine herausragende Rolle dabei spielen.

Angesichts des oben erwähnten jüngsten Vorstoßes der Politik, Kinder und Jugendliche vom Alkohol fernzuhalten (oder zumindest den Zugang zu erschweren und damit den Konsum zu mindern), kann spekuliert werden, ob zukünftig auch Vertriebseinschränkungen für Computerspiele auf die politische Tagesordnung kommen. Das aktuelle Alkoholverbot als auch der letzte Amoklauf, bei dem wieder eine Gewaltspiele-Debatte geführt wurde, ist geografisch in Baden-Württemberg angesiedelt. Kommen von dort auch bald neue Initiativen in Richtung elektronische Games?

Es dürfte für die wirkenden politischen Kräfte im Rahmen des Möglichen sein, eine Liste mit “verdächtigen” Spielen auszuarbeiten um diese dann aus dem konventionellen Einzelhandel zu entfernen und nur noch in speziellen Verkaufsstellen (bzw. in Tankstellen oder Videotheken) an Erwachsene ab 18 Jahren und nach 22 Uhr zu verkaufen.

Die öffentliche Diskussion darüber wird spätestens dann in den Fokus rücken, wenn der Motivation der nächsten Gewalttat wiederholt der Konsum von gewaltsamen Videospielen nachgewiesen wird oder werden soll.

Goldener Index

Donnerstag, 12. November 2009
Unter Verdacht: Rammstein

Unter Verdacht: Rammstein

Goldene Bücher sind Verzeichnisse, in denen besondere Gäste einem Aufenthaltsort ihre Referenz erweisen. So verwundert es nicht, dass Gemeinden auf ihre üppig gefüllten Goldenen Bücher besonders stolz sind.

Folgt man dem satirischen Blick des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL, hat sich noch ein weiteres Goldenes Verzeichnis in unserem Alltag etabliert. Der Index der jugendgefährdenden Medien. Hintergrund der ganzen Angelegenheit ist die Tatsache, dass das neue Rammstein-Album “Liebe ist für alle da” seit 11.11.09 auf die Indizierungsliste der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien geraten ist, was zwar zunächst mit finanziellen Einbußen verbunden ist, da das betreffende Produkt nicht im öffentlichen Raum beworben werden darf, andererseits aber zur Entstehung eines gewissen Nimbus beitragen kann.

In der Popmusik ist es ja eigentlich erstrebenswert, sich den Goldstatus durch gute Verkäufe von Tonträgern zu erarbeiten. Doch, so DER SPIEGEL, ist auch eine erfolgreiche Indizierung ein gelungener Marketing-Coup und stellt nüchtern fest: “Warum kriegen Rammstein diese zusätzliche Publicity, die Gold wert ist?”

Dr. Roland Seim, Zensurforscher und wissenschaftlicher Leiter des Projektes “Museum für Kunst und Pressefreiheit” bezeichnet schon längst das bundesdeutsche Verzeichnis jugendgefährdender Medien als eine Art Einkaufsliste für Minderjährige und als Nimbusquelle. Erst in der jüngsten Gewaltspiel-Debatte wurde angemerkt, dass die Indizierung eines Spiels, eines Buches oder einer CD zwar einerseits die Verkäufe erschwert und für wirtschaftliche Einbußen sorgt, andererseits gilt der Index bei nicht wenigen Konsumenten als besondere Einkaufsliste. Künstler, deren Produkte dort zu finden sind, wird nicht selten eine besondere Verehrung seitens der jungen Zielgruppe zuteil.

Im Fall von Rammstein sah das Prüfstellen-Gremium unter anderem kritisch, dass Rammstein offensichtlich freie Liebe ungeschützten Geschlechtsverkehr im Song “Pussy” propagieren.

Wie der Spiegel widmete sich auch das Portal laut.de mit satirischem Ansatz der Indizierung und stellt Rammsteins künstlerisch verarbeiteten Äußerungen den Ansichten Papst Benedikt XVI. entgegen. Letzterer ist ja für seine Ablehnung geschützter Geschlechtervereinigungen bekannt und es wird gemutmaßt, ob denn durch die Rammstein-Indizierung nun auch eine Papst-CD von derlei Praktiken bedroht sein könnte.